Das Ende einer Legende

Aldiana Senegal 1973 – 2007

R.I.P.

Ganz leise, still und heimlich haben sie ihn zugesperrt…
Meine 2. Heimat! Meinen Lieblingsclub!

Am 01. Juni wurde der Vertrag mit dem neuen Besitzer unterschrieben, seitdem ist der Aldiana Senegal geschlossen. Gerüchte besagen, dass Club Med die Anlage übernehmen will.

Er war schon etwas ganz besonderes.
1973 eröffnet, war er der erste, größte, schönste und auch irgendwie extremste aller Aldiana-Clubs. Größer als Monaco, einer der wichtigsten Arbeitgeber und Steuerzahler im Senegal und verantwortlich für die Ernährung von insgesamt ca. 10 000 Menschen… das sind so die Dimensionen, wenn wir über diesen Club sprechen.



Strandleben in den 70ern…

Nicht mit anderen, „normalen“ Ferienanlagen in Spanien oder Griechenland zu vergleichen, schwer, anstrengend und nervenaufreibend… so war das Leben und das Arbeiten oft, besonders in der Regenzeit.
Aber auch faszinierend, aufregend und abwechslungsreich, wenn man sich auf den Lebensrhytmus und das Klima einstellen konnte

Ein Arbeitseinsatz im Senegal war immer etwas ganz besonderes. Hier musste improvisiert werden, da es vieles, was in anderen Betrieben normal war, nicht gab oder die benötigten Materialien nicht oder nur zu einem horrenden Preis erhältlich waren.

Seit ich 1993 zum ersten Mal hier gearbeitet habe, bin ich bestimmt -ich hab es nicht gezählt- 35 Mal hier gewesen, zusammenrerechnet ca. 2 Jahre…

Was man nur erleben kann, ich hab es hier alles mitbekommen: Tolle Nächte am Strand, Streiks, die in einer Massenprügelei endeten, Heuschreckenplagen, Clubchefs, die Amok laufen und Fenster einschlagen (eine ganze Nacht lang…), die große Liebe, Mord und Totschlag…
Im Rückblick überwiegt natürlich das positive, die Freunde, die ich dort kennengelernt habe, die Erfahrungen, die dort gesammelt habe, aber auch Erinnerungen an grandiose Shows, die wir dort verwirklicht haben, mit einfachen Mitteln, aber einer ungeheuren Wucht und Qualität…


Bühnenbild „König der Löwen“ an der Lagune…

Wirtschaftlich hatte der Club schon seit längerem zu kämpfen.
Durch den teuren Flug war der Aufenthalt dort, gemessen am Standard, der mit dem in den anderen Aldianas nicht mithalten kann, nichts für den kleinen Geldbeutel. In den Sommermonaten, während der Regenzeit, fehlten dann doch die Gäste. Im vergangenen Sommer wars ganz bitter, zeitweise waren nur 30 – 40 Gäste im Club.

Über einen möglichen Verkauf oder eine Schliessung der Anlage war eigentlich schon lange gemunkelt worden. Und schon 1992, in einer Folge der Fernsehserie „Sterne des Südens“ , die unter anderem im Senegal gedreht wurde, war das Thema ironischerweise der drohende Verkauf des Clubs…

Und so habe ich auch schon beim letzten Aufenthalt im Senegal für mich still und leise Abschied genommen…
Aber schade ist es schon…

– weitere Fotos von meinem letzten Aufenthalt hier
Aldiana Senegal in den 70ern

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~ von Jott - 18. Juni 2007.

9 Antworten to “Das Ende einer Legende”

  1. Jaaaaaaaaaaaaa….
    Heul heul!!!

    Tanja

  2. Was mich aber echt geärgert hat, ist die Art, wie Aldiana mit der Schliessung umgeht…
    Nur eine magere Pressemitteilung, kein Wort dazu auf der Homepage!
    So geht man nicht mit dem „Mutterclub“ und seinen Fans um…

  3. warum erzählst du denn gar nichts über deine familie und deine kinder – hmm? muss ich dir auf dem weg in die disco erst wieder ne szene machen? du hast dich ja gar nicht verändert. heul… 🙂

  4. Zum Heulen – und zwar alles.
    Ein Ehemaliger hat mir geschrieben, dass die Anlage tatsächlich an den Club Med verkauft wurde.
    Der ehemalige Clubchef soll wieder da sein, ebenso der, der das Ruder bis zum Schluss in der Hand hatte.
    Man kann nur hoffen, dass die Anlage bald wieder buchbar ist – schon im Interesse der Angestellten und deren Familen!

  5. Psst, Chrisse…… nicht so laut, deine Schwester liest hier auch mit, die weiss doch nix davon…

  6. 34 Jahre Aldiana Sengal und dann so ein erbärmlicher „Abgang“.
    Zwar war das Aus seit langen Zeiten absehbar und spätestens mit dem Sommer 2001 besiegelt, einen würdigeren Abschied hätte die Anlage aber wirklich verdient gehabt…

    Grüße von
    Denis
    U&E-Team 1999 bis 2002

  7. ich konnte es auch nicht glauben als mein vater es mir gesagt hat.
    Ich war geschockt….meine 2.Heimat zu machen ????
    Und ich hab alles miterlebt… es war echt unglaublich schlimm wie man sieht das alles zusammen geräumt wird und da noch über 1 woche ist und kein Gast,so wenige Mitarbeiter nur noch und nach und nach ist es wie in einem Geisterhaus… 😦

  8. Einen schönen guten Morgen Herr Hennicke – ich bin durch Zufall auf Ihre Seite gestoßen und hätte 1-2 Fragen im Bezug zum Club Aldiana – Senegal. Wäre es möglich – E-Mail Adressen auszutauschen? Lg Nadja

  9. Der Aldiana Senegal hat einen großen Fehler in 2008 gemacht. Butler Dienste als Service in einem Land wie Senegal anzubieten, war ein grober Verstoß gegen die Menschenrechte. Dakar war Verschiffungsstation Hunderttausender afrikanischer Sklaven nach Europa. Ich kann die Wut der Afrikaner verstehen, die den Club nach der Schließung in Trümmern legten. http://www.berliner-zeitung.de/ein-butler-kuemmert-sich-ums-wohlbefinden-16745208 Die damaligen Verantwortlichen haben mit diesen fraglichen Angeboten den Club zerstört, ich fuhr 15 Jahre in den Club, damit ich mich sportlich betätigen konnte. Butler Dienste auszuführen, sind in meinen Augen eine Erniedrigung für die Service Person.

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